In Klingenzell wird mit einer ganz speziellen Muschel getauft. In die Taufmuschel sind Perlen eingearbeitet. Das bringt zum Ausdruck, wie wertvoll und kostbar das Sakrament der Taufe ist; und nicht nur die Taufe, sondern auch das Wasser. Wenn wir taufen, dann überschütten wir den Täufling nicht nur mit Wasser, sondern auch mit Heiligem Geist, mit Leben, mit Freude, mit Hoffnung und mit ganz viel Liebe. Im Wasser der Taufe sagt Gott zu jeder und zu jedem einzelnen von uns: „Du bist mein geliebtes Kind. Ich habe dich ganz fest lieb!“ Wenn wir uns beim Betreten und beim Verlassen einer Kirche Wasser ist Leben, das wird vielen selbst in der wasserreichen Schweiz immer mehr bewusst, wenn wir an die Hitzewellen der letzten Wochen denken. Wasser ist zwar ein ambivalentes Symbol (Überschwemmungen, Ertrinken, Gefahr), doch ohne Wasser geht nichts. Viele Erzählungen in der Bibel haben mit Wasser zu tun: Der Durchzug des Volkes Israel durch das Schilfmehr beim Auszug aus Ägypten, das Wasser aus dem Felsen auf der Wüstenwanderung, die Taufe Jesu im Jordan, der Seesturm; der Gang Jesu über dem See und die Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen. Diese Wasser-Erzählung am Jakobsbrunnen hat uns zum Thema des diesjährigen Kirchenschiffs (am 26. Juli, abends) inspiriert: „Frieden ist wie lebendiges Wasser“.
Bei einer Taufe in Klingenzell an einem sehr heissen Sonntag im Juni hatte ich ein lustiges Erlebnis: Das schon gut eineinhalb Jahre alte Mädchen wollte nicht mehr vom Taufstein weg. Immer wenn die Mutter es vom Wasser wegnehmen wollte, protestierte es heftig. Wenn es im Taufbrunnen plantschen und die Hand ins Wasser legen konnte, war es zufrieden. Alle lachten, und der Boden um den Taufstein war recht nass. Ich habe mir gedacht: So müsste unser Verlangen nach der erfrischenden Liebe und Gegenwart Gottes sein.
Ich uns allen, dass wir immer wieder erfahren, wie erfrischend, hilfreich, ermutigend und belebend unser Glaube ist!
Robert Weinbuch