„Du bist dufte!“ – dieses in meiner Jugendzeit häufig gebrauchte Kompliment sagt: „Super, was du machst und bist!“, „Schön, dass es dich gibt!“, „Ich mag dich!“.
„Du bist dufte!“ – das erinnert mich an die Kräutersträusse an Maria Himmelfahrt. Es ist ein schöner Brauch, an Maria Himmelfahrt Kräuter und Blumen zu segnen. Nach einer alten Legende öffneten die Jünger das Grab Marias; aber sie fanden keinen Leichnam sondern eine Fülle von wohlduftenden Kräutern und Blumen. Die Kräutersträusse duften nach Leben, sie duften nach Hoffnung und Liebe, sie duften nach Gott. Der würzige Duft, die Farben und die Vielfalt der Kräuter und Blumen lassen mich Gott „schmecken“ und zeigen, dass Gott uns nicht nur im Grossen sondern auch im Kleinen begegnen will. In den Blumen und Kräutern schenkt er uns Freude, manche verfeinern die Speisen auf ganz interessante Weise, und Heilkräuter können Menschen gesund machen. Wenn ich an einem Kräuterstrauss rieche oder durch einen Kräutergarten gehe, dann sagt Gott zu mir: „Du bist dufte!“, und der himmlische Geruch tut einfach gut. Im Innenhof vom Kloster Katharinental wurde ein Kräutergarten auch für therapeutische Zwecke eingerichtet, und der wunderschöne Kräutergarten im Kloster St. Georgen in Stein am Rhein erfreut Einheimische und Touristen. Die duftenden Gärten weiten mein Herz, lassen mich aufatmen und beleben meine Sinne, sie lassen mich beten: „Gott, wie wunderbar hast Du das alles gemacht! Du bist dufte!“ Ich staune und lasse mich beschenken. Jedes noch so kleine Kraut, jede unscheinbare Blüte, und jede Pflanze erzählt von Gott. Ich brauche nur aus meinem Büro nach draussen gehen und mich im Bibelgarten an der Kirche Herz Jesu in Stein am Rhein vom Leben inspirieren lassen, um etwas von Gottes Gegenwart zu erahnen. Vielleicht haben auch Sie einen speziellen Ort in Ihrem Garten oder irgendwo in der Natur, wo sie Ihre Seele besonders gut baumeln lassen können. Ich wünsche Ihnen offene Augen und ein offenes Herz, damit ihnen die Wunder der Schöpfung immer wieder neu Kraft, Zuversicht und Freude schenken, und auch eine „offene Nase“, damit sie den himmlischen Duft riechen können, in dem Gott zu Ihnen spricht: „Du bist dufte!“
Robert Weinbuch