Ich muss gestehen, dass ich mit der Verehrung des Herzens Jesu lange nichts anfangen konnte. Das hat sich geändert, als ich vor einigen Jahren wieder einmal die Wieskirche besuchte, ein Rokokko-Juwel meiner bayrischen Heimat. Ich lasse das Deckengemälde der Kuppel auf mich wirken: Jesus sitzt auf dem Regenbogen und deutet mit dem Finger auf seine Seitenwunde. Die Seitenwunde des Auferstandenen ist exakt der geometrische Mittelpunkt der Kuppel. Die Wunde hat der Künstler zwar auf der rechten Körperhälfte und nicht auf der Herz-Seite gezeichnet, aber egal - mir wurde klar:
Das Herz Jesu ist die Mitte der Wies, das Zentrum des Himmels und der Erde.
Die Liebe ist der Mittelpunkt der Welt. Sie färbt unser Leben hell mit den Farben des Regenbogens.
Mit manchen rückwärtsgewandten Formen der Herz-Jesu-Frömmigkeit habe ich immer noch Mühe. Doch das Herz Jesu eröffnet mir einen anderen, nicht rational-intellektuellen Zugang zum Geheimnis Gottes. Ich entdecke ihn im Glauben der Mystikerinnen und Mystiker, der einfachen Leute und der Kinder. Dieser Glaube ist genauso wertvoll wie die Suche nach Gottes-Erkenntnis in Exegese, Dogmatik, Kirchengeschichte und anderen theologischen Fachgebieten. Er lädt ein zu einer poetischen und den Menschen zugewandten Sprache. Er lässt mich „mit dem Herzen sehen“ (Exupéry) und mein „Herz brennen“ (Lk 24,32) und bereichert das Feiern unserer kirchlichen Feste und unseren Umgang mit den Mitmenschen. Vielleicht ist das „Herz Jesu“ nur ein bildlicher Ausdruck des Hohen Liedes (1 Kor 13) oder von 1 Kor 16,14: „Alles, was du tust, geschehe in Liebe.“
Papst Franziskus hat eine ganze Enyklika geschrieben, die sich mit dem Herzen Jesu beschäftigt. „Dilexit nos“ („Er hat uns geliebt“) ist nicht so bekannt wie „Laudato si“, aber ich finde sie sehr interessant. Das Hochfest „Heiligstes Herz Jesu“ wird am dritten Freitag nach Pfingsten begangen. Wir feiern es mit dem Patrozinium der Pfarrei Herz Jesu, Stein am Rhein, am Sonntag, 14. Juni. Sie sind „herzlich“ eingeladen!
Robert Weinbuch