„Maria, Maienkönigin! Dich will der Mai begrüssen. O segne seinen Anbeginn und uns zu deinen Füssen.“ So heisst die erste Strophe eines Marienliedes des deutschen Schriftstellers Guido Moritz Görres (1805 – 1852). Die Sprache ist nicht mehr zeitgemäss, aber inhaltlich passt das Lied sehr gut zum Mai. Es singt vom wunderschönen „Garten Gottes“, von allem, „was grünt und blüht auf Erden“, von „grünen Maiesauen“, von „Herzenblüthen lilienweiss“ und vom frohen Lied der Nachtigall. Wegen des Aufblühens der Natur wurde Maria, die „schönste Blume“, bereits im Mittelalter im Mai besonders verehrt. Ab der Barockzeit wurde der Mai zum Marienmonat: 1784 wurde die erste Maiandacht in Italien, Ferrara, gefeiert, die erste im deutschsprachigen Raum 1841 in München. Im Mai werden auch in unserem Pastoralraum die Marienaltäre in unseren Kirchen besonders geschmückt.
Papst Pius XII. führte den Gedenktag „Maria Königin“ im Jahr 1954 ein und legte ihn auf den 31. Mai fest. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde das Fest auf den 22. August verschoben, um die enge Verbindung zu „Maria Himmelfahrt“ (15.8.) zu verdeutlichen.
Die Verehrung Marias als „Königin des Himmels“ ergibt sich aus ihrer besonderen Nähe zu Gott und zu Jesus Christus. Ihr Königtum hat ebenso wie das Königtum Christi nichts mit irdischer Macht zu tun. Maria ist „Königin im Dienst für Gott und für die Menschen“ (Benedikt XVI.), sie ist eine Königin der Liebe. Im Lied von Guido Görres werden Liebe, Hoffnung und Glauben als drei „Blümlein“ bezeichnet, die Maria „in allen Herzen sprossen“ lassen soll. Im Rosenkranz bitten wir Christus, dass er unseren Glauben vermehre, unsere Hoffnung stärke und in uns die Liebe entzünde. Wenn Glaube, Hoffnung und Liebe zum „Heiligthum“ im Mai werden, dann können auf die Fürsprache der Maienkönigin verzweifelte, sprachlose, und glaubensschwache „Seelen“ mit Liebe und Freude erfüllt werden.
Ich wünsche Ihnen, dass auch in Ihren Herzen Liebe und Freude aufblühen, und lade Sie ganz herzlich zu unseren Maiandachten ein, wo wir „mit der Freude hellstem Strahl Maienlieder singen.“
Robert Weinbuch