Unzählige Menschen steigen jedes Jahr hinunter in die Ranftschlucht, in der unser Nationalheiliger, Nikolaus von Flüe, als Einsiedler die letzten 20 Jahre seines Lebens verbrachte. Viele Touristen lassen sich ergreifen von der wunderbaren Natur, sie besichtigen die Wirkungsstätten des Heiligen und staunen über die Einfachheit seiner Wohnzelle, die 1468 seine Mitbürger zusammen mit der oberen Ranftkapelle erbaut hatten. Die meisten Pilger kommen jedoch aus spirituellen Gründen und suchen Rat bei Bruder Klaus, wie es schon seine Zeitgenossen taten. Sie kommen mit einer Gruppe und feiern gemeinsam im Ranft Gottesdienst, oder sie kommen allein, um an diesem Kraftort zu beten, zu danken und vielleicht auch zu büssen. Viele kommen in den Ranft zu einem ganz persönlichen Dank-, Buss- und Bettag:
Sie danken Gott für das Gute, das ihnen in ihrem Leben geschenkt wurde, manche feiern „Danksagung“ - Eucharistie, aus der auch Bruder Klaus lebte.
Sie tun Busse und setzen sich mit ihrem Leben auseinander, besonders auch mit den Schattenseiten. Sie wagen Schritte der Umkehr auf dem Weg zu Gott, zu den Menschen und zu sich selbst. Bruder Klaus hat zur Umkehr und zum Frieden aufgerufen, er wird auf der ganzen Welt als Friedensheiliger verehrt.
Bruder Klaus führte in seiner Klause ein intensives Gebetsleben. Wir beten heute noch in vielen unserer Gottesdienste das Bruder-Klaus-Gebet, und für viele gehört es zu ihrem ganz persönlichen Gebetsschatz. Auch sein Meditationsbild, der Strahlenkranz, ist über die Schweiz hinaus bekannt. Der Heilige wird oft mit einer Gebetsschnur dargestellt, den Rosenkranz gab es damals allerdings noch nicht.
Nicht nur am 3. Sonntag im September feiern wir Dank-, Buss- und Bettag, sondern immer dann, wenn wir die Freude und das Leid unseres Lebens vor Gott ausbreiten und unsere Beziehung zu Gott und den Menschen bedenken und zu verbessern suchen. Eine gute Gelegenheit dazu sind der eidgenössische Bettag (20. Sept) und das Fest des Heiligen Bruder Klaus (25. Sept: Hofacker – Ramsen; 27. Sept: Patrozinium Bruder Klaus, Diessenhofen). Sie sind herzlich zum Mitfeiern eingeladen!
Robert Weinbuch