Sie trägt einen pinken Pulli mit bunten Herzen, im linken Ohr ein Ohrstecker, ein unvollendetes Puzzle auf dem Tisch, ein Puzzle-Teil in der Hand; sie stützt ihr Kinn mit beiden Händen und schaut mich mit grossen, sanften Augen interessiert an.
Sie ist mir sehr sympathisch, aber ich kenne sie nicht. Was möchte sie mir wohl sagen?
Vielleicht: „Spielst Du mit mir?“, oder: „Es ist schön, dass ich hier sein darf.“, oder: „Ich habe so viel Schreckliches erlebt und bin traurig.“
Man findet das kleine Mädchen auf den Plakaten des Caritas-Flüchtlings-Sonntags, der am dritten Sonntag im Juni begangen wird.
Er steht in diesem Jahr unter dem Thema „Menschlich bleiben, Geflüchtete schützen“.
Dass wir das tun sollen, ja müssen, ist selbstverständlich: Jesus selbst war ein Flüchtling, Aufnahmeland: Ägypten, keine Rückschaffung, die heilige Familie ist freiwillig nach dem Tod des Herodes wieder zurückgekehrt. Und im Buch Deuteronomium macht Moses klar, dass Gott die Fremden liebt, und dass wir nicht nur die Flüchtlinge sondern alle Fremden lieben sollen (Dtn 10,17-19).
Vielleicht geht „Menschlich bleiben, Geflüchtete schützen“ so:
Organisationen wie die Caritas unterstützen, die sich für Flüchtlinge einsetzen,
bei (Stammtisch-) Gesprächen zum Thema Asyl die Menschlichkeit einbringen, und vielleicht sogar Widerworte geben, sich für Flüchtlinge, die unter uns leben, interessieren, und mit ihnen reden – das klappt mit dem Handy super, auch wenn ich nicht syrisch oder ukrainisch kann, Geflüchtete mit Respekt begegnen, wenn ich ihnen im Supermarkt oder auf der Strasse begegne, und ihnen Sicherheit, Würde und faire Chancen zu ermöglichen, zum Beispiel durch mein Abstimmungsverhalten.
Vielleicht könnten wir uns auch beschenken lassen von der kulturellen Vielfalt, die Geflüchtete aus ihren Herkunftsländern mitbringen, oder ihrer Hoffnung und Lebensfreude, die viele trotz katastrophaler Erlebnisse zeigen. Was meinen Sie?
Robert Weinbuch