Kennen Sie „Nostra Aetate“? Ich war fünf Jahre alt, als die Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen am 28. Oktober 1965 vom Zweiten Vatikanischen Konzil verabschiedet wurde. Die Sprache des Dokuments ist etwas angestaubt, und ausserdem wurden die Frauen vergessen: man spricht von „Brüdern“ und „Söhnen“ und nirgends von „Schwestern“ und „Töchtern“.
Meine Einstellung zu anderen Religionen wurde unter anderem durch Konzilsaussagen geprägt wie:
„Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist.“
Wir sollen im Umgang mit den Bekennern anderer Religionen „jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern.“
Die Kirche verwirft „jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht.“
Im Theologie-Studium setzte ich mich intensiv mit anderen Religionen auseinander. Für mich, einem Oberbayern aus einer Pfarrei mit damals 95% Katholiken, war natürlich der christliche Glauben besser als alle anderen. Aber ich wollte wissen, ob ich recht habe. Besonders profitiert habe ich von Begegnungen mit Menschen anderer religiöser Überzeugungen, Juden, Moslems, Hindus, Buddhisten und Atheisten.
Für mich persönlich ist der christliche Glaube immer noch die beste Form, den existentiellen Fragen des Lebens zu begegnen und sein Leben mit Sinn zu füllen. Für mich ist Jesus Christus „der Weg, die Wahrheit und das Leben“.
Aber weil ich zu meinem Glauben stehe und ihn immer besser kennenlernen möchte, kann ich andere Wege der Gott-Suche viel tiefer wertschätzen. Deshalb finde ich es wichtig, dass Kinder und Jugendliche im Religionsunterricht auch andere Religionen kennen und respektieren lernen. Im Oberstufenunterricht „Sprungbrett“ wird in den Religionshalbtagen vom 29. bzw. 30. April der Islam thematisiert. Ich bin sicher, dass auch ich wieder davon profitiere.
Robert Weinbuch