Fast jede katholische Kirche hat einen Kreuzweg, manchmal, wie in Klingenzell, auch im Freien. In 14 Stationen wird der Leidensweg Jesu bildhaft dargestellt. Manche Szenen findet man in der Bibel, andere sind Legendenbildung. Sie zeigen auf, wie sich unsere Vorfahren das Leiden Christi vorgestellt haben.
Der Kreuzweg ist auch eine Gebetsform. Sie verbindet unser eigenes Leben und Leiden und das Leben und Leiden unserer Welt mit dem Kreuz Christi. Mancherorts geht man von Station zu Station und betet vor jedem Bild. Man kann das sehr gut auch allein tun; denn das Katholische Gesangbuch, das in jeder unserer Kirchen aufliegt, enthält zwei Kreuzwege: KG 408 und KG 409.
Es ist auch schön, den Kreuzweg in Gemeinschaft zu beten. An jeder Station werden traditionell die Worte gebetet: „Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.“; es gibt auch andere Formulierungen.
Ich mag den Kreuzweg, denn er hilft mir beim Umgang mit Leid und Tod. Ich habe noch keine befriedigende Antwort auf das „Warum?“ und den Sinn von Leid und Tod gefunden; aber der Kreuzweg lässt mich erahnen, dass wir an einen mitleidenden Gott glauben, an einen Gott, der mit mir geht, ganz egal, wie es mir geht. Er lässt mich in den schweren Stunden meines Lebens nicht allein, er hält mich und trägt mich.
Jesus fällt dreimal unter der Last des Kreuzes zu Boden, er steht jedesmal wieder auf und geht seinen Weg weiter. Er ermutigt mich, immer wieder aufzustehen und weiterzugehen, wenn ich am Boden bin.
Viele Kreuzwege haben noch eine 15. Station. In Klingenzell ist das der Auferstehungsstein. Der Stein steht links am Weg, bevor man wieder die Kapelle erreicht. Der Stein am Grab ist weggewälzt, das Grab ist leer, Christus ist auferstanden, das Leben setzt sich durch.
Das ist unsere Hoffnung, die Hoffnung des dritten Tages. Und die Ostersonne geht auf.
Robert Weinbuch