Wer ich bin und was mich trägt
Ein persönlicher Einblick zum Start im Pastoralraum «Am See und Rhy»
«Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.» Diese Worte von Hermann Hesse begleiten mich beim Start als Pastoralraumleiter von «Am See und Rhy». Seit einigen Wochen bin ich hier unterwegs, lerne Menschen und Pfarreien kennen und entdecke, was das kirchliche Leben in unserem Pastoralraum ausmacht. Ich freue mich darauf, mit der Zeit immer mehr hier anzukommen.
Mein eigener Lebensweg begann in Mazedonien. Ich wuchs in einer katholischen Familie des byzantinischen Ritus auf. Mein Vater ist Priester. In unserer katholischen Ostkirche ist es üblich, dass auch Verheiratete zum Priester geweiht werden. Später studierte ich Theologie und Caritaswissenschaften in Deutschland. Dabei wurde mir immer wichtiger, wie der Glaube an Jesus Christus im Alltag Gestalt gewinnt. Meine Frau Monica und unsere beiden Kinder sind für mich eine wichtige Stütze.
Am 25. Oktober wurde ich im Sonntagsgottesdienst in Diessenhofen von Bischofsvikar Hanspeter Wasmer als Pastoralraumleiter eingesetzt. Im Auftrag des Bischofs überreichte er mir die Missio für meinen Dienst. Vertreterinnen und Vertreter der kirchlichen Behörden sowie zahlreiche Gottesdienstbesucherinnen und Gottesdienstbesucher nahmen an der Feier teil. Für das entgegengebrachte Vertrauen und die herzliche Aufnahme danke ich allen von Herzen.
Eine Begebenheit aus dem vergangenen Sommer ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Im Tessin überraschte mich ein kräftiger Regenschauer. Ich kaufte kurzerhand einen roten Schirm. Als ich ihn aufspannte, entdeckte ich darauf die Schweizer Flagge. Das Kreuz darauf brachte mich zum Nachdenken: Was trägt uns im Leben, und was verbindet uns miteinander?
Auf den ersten Blick erinnert das Kreuz beinahe an ein Pluszeichen. Der Glaube kann unserem Leben tatsächlich etwas hinzufügen: Hoffnung, Orientierung und Kraft. Die beiden Balken weisen für mich in zwei Richtungen. Der senkrechte erinnert an die Verbindung zu Gott, der waagerechte an unsere Mitmenschen. Jesus hat die Liebe zu Gott und zum Nächsten ins Zentrum seines Wirkens gestellt. Das Kreuz erinnert uns auch an den Tod und die Auferstehung Jesu und an die Erlösung, die er uns geschenkt hat. Glaube verbindet uns mit Gott und fordert uns heraus, füreinander da zu sein.
Auch ein Schirm hält den Regen nicht auf. Aber er schützt ein Stück weit und hilft, weiterzugehen. Vielleicht ist das auch eine Aufgabe der Kirche: Menschen Halt zu geben, Hoffnung zu schenken und sie gerade in schwierigen Zeiten nicht allein zu lassen.
Was gibt Ihnen Halt im Leben? Und wo erleben Sie, dass der Glaube Menschen miteinander verbindet? Mir liegt am Herzen, dass Christus unsere Mitte bleibt und wir einander mit offenen Ohren und helfenden Händen begegnen.
Mein Schweizer Schirm wird mich wohl noch durch manchen Regenschauer begleiten. Als Pastoralraumleiter möchte ich gemeinsam mit Ihnen Bewährtes weitertragen, neue Wege gemeinsam finden und die Zukunft unseres Pastoralraums gestalten. Ich freue mich darauf, diesen Weg mit Ihnen zu gehen.
Josif Trajkov
Pastoralraumleiter «Am See und Rhy»