Weil der Abgabetermin dieses Pfarrblatts noch im September lag, darf ich diese Zeilen noch schreiben, obwohl ich mich im letzten Pfarrblatt schon verabschiedet hatte.
Als ich im Januar 2022 mit meiner Frau den Pastoralraum am See und Rhy erkundete, um zu sehen, ob dies etwas für uns wäre, machte ich viele Fotos. Eines meiner ersten Fotos war eine Bank vor der Kirche Basadingen mit zwei ineinander verschlungenen Herzen; ein wunderschönes Motiv für ein Brautpaar.
Eines meiner letzten Fotos auf dem Diensthandy ist auch eine Bank, und zwar die ganz neue vor der Kapelle Willisdorf. „Grüass Gott und nämäd Platz“ steht drauf. Diese „Outdoor-Kirchenbank“ hat für mich viel mit der Zukunft von Kirche zu tun, nicht nur in unserem Pastoralraum. Die Gemeinschaft Kirche muss einladend sein und alle Menschen willkommen heissen, auf der „Kirchenbank“ haben alle Platz, ohne Unterschied. Jede und jeder soll das Gefühl haben „Ich bin willkommen!“. Wenn ich mit Menschen über die Zukunft von Kirche rede, finden viele sehr wichtig, dass Kirche Heimat sein soll, ein Ort, wo man sich gerne niederlässt, mit anderen gemeinsam unterwegs ist, und sein Leben zumindest zu einem Teil mit Gleichgesinnten teilt. Das ist eine echte Herausforderung, wenn die Seelsorgeräume immer grösser werden, und in Zukunft sogar Pastoralräume aus personellen Gründen zusammengelegt werden müssen. Aber es ist auch in dieser Situation möglich, dass Kirche vor Ort lebendig bleibt und Beheimatung schenkt. Dafür habe ich mich seit meiner Jugendzeit eingesetzt. Das bedeutet nicht, dass Kirche sich nicht verändert. Wenn sich die Gesellschaft verändert, verändert sich auch die Kirche, das ist ganz normal. Die Kirche meiner Jugend ist eine ganz andere, wie die Kirche von heute; die heutige Gestalt von Kirche ist anders, als vor 15 Jahren, ja sogar anders als vor vier Jahren, als ich als Leiter des Pastoralraums am See und Rhy angefangen habe. Doch es gibt auch vieles, das gleich bleibt, so dass ich immer noch gerne zur Kirche gehöre: „Liebe und Gemeinschaft!“ – das rufen mir die verschlungenen Herzen auf der Kirchenbank in Basadingen zu, das ist wichtig, das bleibt gleich. Und Kirche muss sich auch immer wieder fragen lassen: „Ist Gott in unserer Mitte oder nicht?“ (vgl. Ex 17,7) Deshalb finde ich es sehr schön, dass auf der Kirchenbank vor der Kapelle Willisdorf nicht „Grüezi¨“ steht, sondern „Grüass Gott“. In seinem Namen, in seiner Gegenwart und mit seiner Hilfe sollten wir Kirche gestalten, am Reich Gottes bauen. Mit Gott sind wir unterwegs auf den Weg, den Jesus uns vorgezeichnet hat, gemeinsam unterwegs auf dem Weg ins Lebens „Grüass Gott und nämäd Platz!“ Ich lade Sie ein, in der Gemeinschaft Kirche Platz zu nehmen, mitzumachen und sich zu beteiligen. Ich bin sicher – auch wenn ich nicht mehr Pastoralraumleiter bin: wir können in der Kirche gemeinsam Lebenssinn und Heimat entdecken.
Robert Weinbuch